Von:
Johannes Friedrich

e-rechtfertigung.de

Welche Schuhe er wählt, welche Zeitung er liest, welchen Wein er trinkt – nichts überlässt er dem Zufall. Auch nicht, welche Musik aus seinen Autolautsprechern dringt, oder welche Kollegen er trifft. Der Körper ist gestählt, Familie und Karriere, die Zukunft der Kinder geplant. „Ich bin, was ich aus mir gemacht habe!“, so die Devise. Viele Menschen denken heute wie er. In einer Zeit der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten – da, so wähnt man, liege es nur in der Hand des Einzelnen, seine Identität selbst zu schaffen. Meine Aussehen, meine Familie, die Schule meiner Kinder, meine Leistung im Beruf – mit all dem zeige ich doch: Ich habe es geschafft.

Noch nie standen Erwachsenen so viele Wege offen. Nichts scheint festgelegt, alles ist offen. Patchwork-Identitäten entstehen, die maßgeschneiderte Bausteinbiographie. Was aber, wenn es nicht aufgeht? Wenn ich bei allem Bemühen nicht mithalten kann und den Anschluss verliere? Wenn hinter allem Erfolg, hinter meinem perfekten Ich die Frage brennt, wer ich wirklich bin?

„Du bist mehr als das, was du selbst aus dir machst“ – das ist die Botschaft der Rechtfertigung. Denn du kannst dich noch so sehr anstrengen: Das perfekte Leben wirst du dir nie schmieden können, die perfekte Biographie ist eine Illusion. Martin Luther musste das erfahren: Er, der vor Gott untadelig dastehen wollte, erlebte: So sehr ich mich auch bemühe, ganz gleich, wie viel ich mache oder tue, ich werde es nie schaffen, vor Gott gerecht dazustehen.

Aber gleichzeitig erkannte er: Die Frage ist falsch! Nicht wie ich mich darstelle und gestalte, sondern wie Gott mich sieht, macht den Unterschied. Das aber sehe ich an Jesus Christus: Ich bin so wertvoll, dass er für mich gelebt hat, meinen Tod geteilt hat und mich aus dem Tod gerissen hat.

Heute gibt es so viele Wege, mit denen wir versuchen, unser Dasein zu rechtfertigen: Dadurch, dass wir unermüdlich arbeiten, uns keinen Fehler zugestehen, durch die Freunde mit denen wir uns umgeben oder durch das Gefühl, wichtig oder nützlich zu sein. Doch unser Leben hat einen unschätzbaren Wert – weit über das, was wir leisten und tun hinaus. Einfach, weil es uns gibt.

Und weil Gott uns liebt, viel mehr als wir uns vorstellen können. Seine Liebe kann ich mir nicht erarbeiten, sie wird mir geschenkt. Und sie bleibt auch dann, wenn ich einmal etwas zerstört oder „versagt“ habe. Gott legt mich nicht für immer fest auf das, was ich aus meinem Leben mache oder tue. Wer diese befreiende Liebe erfährt, der kann auch immer wieder die Kraft dazu finden, unabhängig vom Urteil anderer, das zu tun, was sein Herz ihm sagt. Und Menschen mit ihren Fehlern annehmen.